Geplante Reform des deutschen Bilanzrechts

 

Das deutsche Bilanzrecht wurde zuletzt 2010 durch das BilMoG umfassend reformiert. Im Sommer 2013 wurde die EU-Bilanzrichtlinie veröffentlicht. Die EU-Mitgliedsstaaten sind nun verpflichtet, ihr nationales Recht bis zum 20.07.2015 an diese Richtlinie anzupassen. Das Bundesjustizministerium (BMJV) hat am 27.07.2014 den Referentenentwurf des Bilanzrichtlinie-Umsetzungsgesetzes (BilRUG) veröffentlicht. Die Anwendung der neuen Regelungen in Deutschland soll verbindlich sein für Geschäftsjahre, die ab dem 01.01.2016 beginnen (GJ 2016).

 

Für den handelsrechtlichen Einzelabschluss sind insbesondere die folgenden wesentlichen Neuerungen vorgesehen:

 

 

  • Anhebung der Schwellenwerte für die Bestimmung der Größenklassen (Bilanzsumme auf 6,0 Mio. Euro für kleine bzw. 20,0 Mio. für mittelgroße Unternehmen; (Netto-)Umsatzerlöse auf 12,0 Mio. Euro für kleine bzw. 40,0 Mio. Euro für mittelgroße Unternehmen.
  • Einführung des Grundsatzes des wirtschaftlichen Gehalts (für Bilanz und GUV) und des Grundsatzes der Wesentlichkeit (für Ansatz, Bewertung, Darstellung, Offenlegung und (betreffend den Konzernabschluss) Konsolidierung.
  • Kann im Einzelfall die Nutzungsdauer eines aktivierten Geschäfts- oder Firmenwerts oder eines selbst geschaffenen immateriellen Vermögensgegenstandes des Anlagevermögens nicht verlässlich geschätzt werden, hat die Abschreibung über einen Zeitraum von mindestens 5 und höchstens 10 Jahren zu erfolgen.
  • Laut EU sollte die Bewertung von Rückstellungen geändert werden (bester Schätzwert der wahrscheinlichen Aufwendungen). Das BilRUG sieht demgegenüber keine Anpassung des HGB vor, weil der Bewertungsmaßstab des § 253 Abs. 1 Satz 2 HGB nicht im Widerspruch zu den EU-Vorgaben steht.
  • Der gesonderte Ausweis von außerordentlichen Aufwendungen und Erträgen in der GuV entfällt.
  • Ausweitung der Anhangangaben

 



Das BilRUG sieht umfangreiche Änderungen für den Anhang vor, der dadurch im Ergebnis aufgewertet wird. Nachfolgende Angaben, für die bislang ein Ausweiswahlrecht bestand, sind künftig ausschließlich in den Anhang aufzunehmen:

 

  • Anlagespiegel: Die bislang wahlweise in der Bilanz oder im Anhang zulässige Darstellung hat nun zwingend im Anhang zu erfolgen

 

  • Haftungsverhältnisse und Eventualverbindlichkeiten: Die bisher wahlweise unter der Bilanz zu vermerkenden Angaben sind künftig zwingend in den Anhang aufzunehmen

 

  • Ereignisse nach dem Stichtag: Die bisher im Lagebericht vorgesehene Angabe hat nun im Anhang zu erfolgen

 

  • Ergebnisverwendung: Der Vorschlag oder der Beschluss über die Verwendung des Ergebnisses ist künftig im Anhang anzugeben

 

 

Neben diesen Änderungen werden die Angabepflichten des § 285 HGB erweitert, u.a.

 

  • Gesonderte Angaben zu Verpflichtungen aus Altersversorgung und gegenüber assoziierten Unternehmen: Angabepflicht bei sonstigen finanziellen Verpflichtungen, die nicht in der Bilanz enthalten sind.
  • Erweiterung der Angabepflicht auf (Beteiligungs-)Unternehmen, an denen der Anteilsbesitz weniger als 20 Prozent beträgt, wenn die Beteiligung dauerhaft dem Geschäftsbetrieb dient.
  • Angaben zur Mezzanine-Finanzierung: Sofern Genussscheine oder ähnliches bestehen, sind deren Zahl und die verbrieften Rechte anzugeben.
  • Latente Steuern: Quantitative Angaben und deren Bewegungen im Geschäftsjahr.
  • A.O. Aufwendungen und Erträge: Erläuterungspflicht (Betrag und Art).

 

Darüber hinaus werden die Erläuterungen zu den einzelnen Posten der Bilanz und der GuV erweitert. So ist künftig u.a. eine quantitative Darstellung der Auswirkungen einer Änderung der Bilanzierungs- oder Bewertungsmethoden verpflichtend.

 

Für den Konzernabschluss sind, abgesehen von der entsprechenden Anwendung der geänderten Vorschriften für den Jahresabschluss, keine wesentlichen Änderungen zu erwarten.

 

 

Ihr Ansprechpartner:

Thomas Geyer
Dipl.-Oec. Wirtschaftsprüfer Steuerberater
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Telefon 07720 955-355