Airbnb muss Steuerverwaltung Auskunft über touristische Unterkünfte geben

Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hat in einem Urteil vom 27.04.2022 entschieden, dass Vermittlungsplattformen, wie beispielsweise Airbnb, Kommunen und Steuerbehörden Auskunft über die von Ihnen vermittelten Unterkünfte und Übernachtungen geben müssen.

Im konkreten Fall wurde in einer Region in Belgien eine Regionalsteuer auf touristische Übernachtungen erhoben. Diese galt auch für private Unterkünfte. Da sich Airbnb weigerte die geforderten Auskünfte zu erteilen, ging der Fall bis zum EuGH, welcher nun zugunsten der Kommunen und Steuerbehörden entschieden hat.

Somit können bei entsprechenden steuerlichen Regelungen, von den Steuerverwaltungen Auskünfte bei Vermietungsportalen eingeholt werden, um die jeweiligen Steuern erheben zu können. In Deutschland gibt es beispielsweise in Berlin eine vergleichbare Steuer, die sogenannte „City Tax“. Aber auch in anderen Regionen sind ähnliche Steuern geregelt.

Private Vermieter müssen also darauf gefasst sein, dass in solchen Fällen ein Abgleich der Steuerverwaltung mit den erklärten Übernachtungen vorgenommen werden kann.

Autor: Timo Storz, Dipl.Fw. (FH), Steuerberater, Partner

Quelle: Pressemitteilung Nr. 66/22 des Europäischen Gerichtshofs vom 27.04.2022

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Aufteilung der Kosten für häusliches Arbeitszimmer bei Ehegatten

Die Kosten eines häuslichen Arbeitszimmers sind unter bestimmten Voraussetzungen steuerlich abzugsfähig. Sofern dem Steuerpflichtigen kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht, können die Kosten bis zu 1.250 € pro Person in Abzug gebracht werden. Sollte das Arbeitszimmer den Mittelpunkt der gesamten Tätigkeit darstellen, können die Kosten unbegrenzt abgezogen werden.

Wenn jedoch der Nutzer des Arbeitszimmers nicht auch der (alleinige) Mieter oder Eigentümer des Zimmers ist, sind beim Ansatz der Kosten einige Grundsätze zu beachten. Dies ist beispielsweise regelmäßig der Fall, wenn Ehegatten jeweils hälftige Eigentümer einer Immobilie sind oder gemeinsam eine Wohnung mieten.

In diesen Fällen wird für den Ansatz der Kosten zwischen grundstücksorientierten und nutzungsorientierten Aufwendungen unterschieden.

Die nutzungsorientierten Aufwendungen können vom Nutzenden in voller Höhe als Werbungskosten berücksichtigt werden. Hierunter fallen beispielsweise Energiekosten, Wasserkosten sowie Reparaturen, die ausschließlich das Arbeitszimmer betreffen. Dies gilt auch, wenn die Zahlungen von einem gemeinsamen Ehegattenkonto erfolgen.

Bei den grundstücksorientierten Aufwendungen stellt sich die Sachlage in Zusammenhang mit Miteigentumsverhältnissen anderweitig dar. Hier können die Kosten nur entsprechend des Miteigentumsanteils geltend gemacht werden, sofern diese von einem gemeinsamen Konto beglichen wurden und bezüglich Abschreibung/Zinsen die Darlehen gemeinsam aufgenommen wurden. Unter die grundstücksorientierten Aufwendungen fallen beispielsweise die Abschreibung, Zinsen, Grundsteuer, Versicherungen und allgemeine Reparaturen.

Sollten Ehegatten eine Wohnung gemeinsam anmieten und die Miete, Versicherung etc. von einem gemeinsamen Konto begleichen, kann der Nutzende die Aufwendungen abziehen, soweit das Arbeitszimmer nicht mehr als die Hälfte der Gesamtfläche einnimmt, was regelmäßig nicht der Fall sein dürfte.

Wenn jedoch nur der andere Ehegatte allein und nicht der Nutzende die Miete schulden, kann nur die Hälfte der Kosten angesetzt werden, sofern diese von einem gemeinsamen Konto abgehen. Zahlt der Nutzende hingegen von einem nur ihm gehörenden Konto die Kosten, kann er diese in vollem Umfang berücksichtigen.

Bei steuerlich abzugsfähigen Kosten für ein Arbeitszimmer, sollten in den genannten Konstellationen demnach die rechtlichen und tatsächlichen Regelungen aufeinander abgestimmt sein, um den maximalen Werbungskosten- bzw. Betriebsausgabenabzug zu erreichen.

Autor: Timo Storz, Dipl.Fw. (FH), Steuerberater, Partner

Quelle: NWB, Beitrag Lexikon Lohnbüro 2022

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Verlängerung der Homeoffice-Pauschale vorgesehen

Aufgrund der Corona-Pandemie haben sehr viel mehr Personen als zuvor ihre Tätigkeit teilweise oder voll vom Homeoffice aus ausgeübt. Für steuerliche Zwecke wurde deshalb  die sog. Homeoffice-Pauschale eingeführt, mit welcher betroffene Personen die Kosten für das Homeoffice in pauschalierter Form steuerlich in Abzug bringen konnten. Bisher ist diese Regelung bis Ende 2021 befristet. Die Bundesregierung sieht in einem Gesetzentwurf vor, die Regelungen zur Homeoffice-Pauschale bis Ende 2022 zu verlängern.

Die Eckpunkte der Regelungen stellen sich wie folgt dar:

Höhe:

  • Die Homeoffice-Pauschale beträgt 5 € pro Tag und ist auf einen Maximalbetrag in Höhe von 600 € pro Person und Jahr begrenzt. Somit kann für maximal 120 Tage pro Jahr die Pauschale in Höhe von 5 € geltend gemacht werden.

 Voraussetzungen:

  • Die Pauschale kann sowohl von Gewerbetreibenden bzw. Freiberuflern als auch von Arbeitnehmern geltend gemacht werden.
  • Die berufliche/betriebliche Tätigkeit muss an den betreffenden Tagen ausschließlich zu Hause ausgeübt worden sein. Für Tage, an denen teilweise im Homeoffice und teilweise an einer außer Haus liegenden Tätigkeitsstätte gearbeitet wurde, kann keine Pauschale angesetzt werden.

Einschränkungen:

  • Bei Arbeitnehmern ist der Werbungskostenpauschbetrag in Höhe von 1.000 € (für 2022 Erhöhung auf 1.200 €) zu beachten. Dieser wird jedem Arbeitnehmer ohne Nachweis von den Einkünften abgezogen. Die Homeoffice-Pauschale wirkt sich steuerlich somit erst aus, wenn durch weitere Werbungskosten der Betrag von 1.000 € bzw. 1.200 € pro Jahr überschritten wird.
  • Aufgrund der Einschränkung, dass die Tätigkeit an den jeweiligen Tagen ausschließlich zu Hause ausgeübt werden muss, können für diese Tage nicht gleichzeitig auch Reisekosten oder Fahrten zwischen Wohnung und Tätigkeitsstätte geltend gemacht werden.
  • Liegen die steuerlichen Voraussetzungen eines häuslichen Arbeitszimmers vor, kann die Homeoffice-Pauschale nicht zusätzlich zu den im Rahmen des Arbeitszimmers geltend gemachten Betriebsausgaben oder Werbungskosten berücksichtigt werden. Der Steuerpflichtige kann also entscheiden, ob er die Homeoffice-Pauschale oder die nachgewiesenen Kosten des Arbeitszimmers geltend macht. . In der Regel dürften die Kosten für das häusliche Arbeitszimmer höher als die Homeoffice-Pauschale sein.
  • Es ist zu beachten, dass die Pauschale bei mehreren Tätigkeiten (z.B. Arbeitnehmer mit Nebengewerbe) aufzuteilen Sie kann nicht pro Tätigkeit angesetzt werden.

Autor: Timo Storz, Dipl.Fw. (FH), Steuerberater, Partner

Quelle: Mitteilung Deutscher Bundestag vom 22.03.2022

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Die EGS Automatisierungstechnik GmbH, Donaueschingen, ein Automatisierungsspezialist im Bereich der industriellen Robotertechnik ist zum 1. März 2021 von Dunkermotoren, einem zum US-Konzern AMETEK gehörenden Antriebstechnikhersteller übernommen worden.

Ein Team von LFK PARTNER unter der Leitung von Dipl.-Oec. Thomas Geyer (Wirtschaftsprüfer, Steuerberater, Partner) und Arne Palm (Rechtsanwalt, Steuerberater, Partner) hat EGS im Rahmen der Transaktion mit allen relevanten Aspekten rechtlich und steuerlich beraten.

Die EGS Automatisierungstechnik GmbH mit Sitz in Donaueschingen, wurde 1996 von Robert Eby gegründet und hat sich seither zu einem auf den Bereich der Automatisierung und Robotik spezialisierten Unternehmen mit 54 Mitarbeitern entwickelt. 1999 konstruierte das Unternehmen die erste roboterbasierte Palettier- und Beladeanlage auf Basis eines Yaskawa-Roboters. Heute wird die Anlage unter dem Namen SUMO Multiplex vertrieben. Zwischenzeitlich setzt das Unternehmen auch Roboter von Kuka und Epson ein.

Dunkermotoren, Weltmarktführer für integrierte bürstenlose DC-Servomotoren mit Hauptsitz in Bonndorf im Schwarzwald beschäftigt weltweit ca. 1200 Mitarbeiter und gehört zum AMETEK-Konzern. AMETEK ist ein weltweit führender Hersteller von elektronischen Messgeräten und elektronischen Geräten. Das Unternehmen mit Sitz in den USA ist im S&P 500 Index an der New Yorker Börse gelistet. Es erzielte 2019 einen Jahresumsatz von mehr als 5,2 Milliarden US-Dollar und beschäftigt weltweit rund 18.000 Mitarbeiter an mehr als 220 Standorten.

LFK PARTNER ist eine führende Kanzlei in der Region und beschäftigt an 4 Standorten 100 Mitarbeiter. Bei Unternehmenskäufen und -verkäufen arbeiten bei LFK PARTNER erfahrene und spezialisierte Anwälte, Steuer- und Unternehmensberater oder Wirtschaftsprüfer eng zusammen. So können wirtschaftliche, rechtliche und steuerliche Problemstellungen im Rahmen einer solchen Transaktion optimal und zum Nutzen der Mandanten gelöst werden.

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Die Schweizerische Post hat zum 1. Januar 2022 die Hugger GmbH in Aldingen mit 217 Mitarbeitern übernommen. Die Hugger GmbH ist ein Speditionsunternehmen mit Fokus auf den Straßengütertransport. Gleichzeitig hat die Schweizerische Post die Anteile der Logistic Center Villingen GmbH (LCV) in Villingen-Schwenningen erworben. Das Unternehmen mit 12 Mitarbeitern ist auf Lagerdienstleistungen spezialisiert. Die Übernahmen optimieren die Transportpräsenz und verstärken die Logistikaktivitäten der Schweizerischen Post im an die Schweiz angrenzenden Baden-Württemberg.

Die Firmenauftritte der übernommenen Unternehmen und die Arbeitsverhältnisse der Mitarbeiter bleiben von der Übernahme unberührt. Das operative Geschäft beider Unternehmen wird dagegen in die Bächle Logistics GmbH überführt. Diese ist bereits seit 2018 ein erfolgreiches Tochterunternehmen der Schweizerischen Post.

Die LFK Partner Pamela Leisle und Arne Palm haben mit weiteren Spezialisten von LFK die Spedition Hugger und LCV im Rahmen der M&A-Transaktion umfassend rechtlich und steuerlich beraten.

LFK PARTNER berät seit Jahren erfolgreich beim Kauf bzw. Verkauf von Unternehmen oder Beteiligungen. Für einen erfolgreichen Abschluss braucht es spezialisierte und erfahrene Anwälte, Steuerberater und Unternehmensberater. LFK PARTNER bietet alle benötigen Kompetenzen aus einer Hand. So können die eng verknüpften wirtschaftlichen, personellen, rechtlichen und steuerlichen Fragestellungen zielgerichtet, professionell und erfolgreich gelöst werden.

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Regionales Unternehmergespräch im wvib am 23.10.2018 in der KLS Martin World in Tuttlingen

Die erfolgreiche Unternehmensübergabe in der KLS Martin Gruppe war Thema beim regionalen Unternehmergespräch im wvib am 23.10.2018 in der KLS Martin World in Tuttlingen. Der Nachfolgeprozess wurde intensiv von Frau Pamela Leisle von LFK PARTNER begleitet. Näheres hierzu unter:

https://www.wvib.de

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Verlängerung der Homeoffice-Pauschale vorgesehen

Aufgrund der Corona-Pandemie haben sehr viel mehr Personen als zuvor ihre Tätigkeit teilweise oder voll vom Homeoffice aus ausgeübt. Für steuerliche Zwecke wurde deshalb  die sog. Homeoffice-Pauschale eingeführt, mit welcher betroffene Personen die Kosten für das Homeoffice in pauschalierter Form steuerlich in Abzug bringen konnten. Bisher ist diese Regelung bis Ende 2021 befristet. Die Bundesregierung sieht in einem Gesetzentwurf vor, die Regelungen zur Homeoffice-Pauschale bis Ende 2022 zu verlängern.

Die Eckpunkte der Regelungen stellen sich wie folgt dar:

Höhe:

  • Die Homeoffice-Pauschale beträgt 5 € pro Tag und ist auf einen Maximalbetrag in Höhe von 600 € pro Person und Jahr begrenzt. Somit kann für maximal 120 Tage pro Jahr die Pauschale in Höhe von 5 € geltend gemacht werden.

 Voraussetzungen:

  • Die Pauschale kann sowohl von Gewerbetreibenden bzw. Freiberuflern als auch von Arbeitnehmern geltend gemacht werden.
  • Die berufliche/betriebliche Tätigkeit muss an den betreffenden Tagen ausschließlich zu Hause ausgeübt worden sein. Für Tage, an denen teilweise im Homeoffice und teilweise an einer außer Haus liegenden Tätigkeitsstätte gearbeitet wurde, kann keine Pauschale angesetzt werden.

Einschränkungen:

  • Bei Arbeitnehmern ist der Werbungskostenpauschbetrag in Höhe von 1.000 € (für 2022 Erhöhung auf 1.200 €) zu beachten. Dieser wird jedem Arbeitnehmer ohne Nachweis von den Einkünften abgezogen. Die Homeoffice-Pauschale wirkt sich steuerlich somit erst aus, wenn durch weitere Werbungskosten der Betrag von 1.000 € bzw. 1.200 € pro Jahr überschritten wird.
  • Aufgrund der Einschränkung, dass die Tätigkeit an den jeweiligen Tagen ausschließlich zu Hause ausgeübt werden muss, können für diese Tage nicht gleichzeitig auch Reisekosten oder Fahrten zwischen Wohnung und Tätigkeitsstätte geltend gemacht werden.
  • Liegen die steuerlichen Voraussetzungen eines häuslichen Arbeitszimmers vor, kann die Homeoffice-Pauschale nicht zusätzlich zu den im Rahmen des Arbeitszimmers geltend gemachten Betriebsausgaben oder Werbungskosten berücksichtigt werden. Der Steuerpflichtige kann also entscheiden, ob er die Homeoffice-Pauschale oder die nachgewiesenen Kosten des Arbeitszimmers geltend macht. In der Regel dürften die Kosten für das häusliche Arbeitszimmer höher als die Homeoffice-Pauschale sein.
  • Es ist zu beachten, dass die Pauschale bei mehreren Tätigkeiten (z.B. Arbeitnehmer mit Nebengewerbe) aufzuteilen ist. Sie kann nicht pro Tätigkeit angesetzt werden.

Autor: Timo Storz, Dipl.Fw. (FH), Steuerberater, Partner

Quelle: Mitteilung Deutscher Bundestag vom 22.03.2022

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Schlussabrechnungen Corona-Hilfen

Die Anträge auf Überbrückungshilfen sowie auf November- und Dezemberhilfen wurden regelmäßig mit vorläufigen bzw. prognostizierten Werten eingereicht, so dass eine finale Ermittlung anhand der tatsächlichen Zahlen zu erfolgen hat. Aber auch wenn die Anträge bereits grundsätzlich auf finalen Werten basierten, muss noch eine Schlussabrechnung erfolgen und eingereicht werden. Diese wird, wie bereits der Antrag, über einen prüfenden Dritten übermittelt.

Seit dem 05.05.2022 können über die prüfenden Dritten Schlussabrechnungen zu den Überbrückungshilfen sowie den November- und Dezemberhilfen eingereicht werden. Fristende für die Einreichung ist der 31.12.2022.

Sollte keine Schlussabrechnung eingereicht werden, müssen die betroffenen Unternehmen die erhaltenen Corona-Hilfen in voller Höhe zurückzahlen.

Sofern sich nach der Schlussabrechnung eine Rückzahlungspflicht ergeben sollte, wird nach Angaben des BMWK eine „angemessene“ Zahlungsfrist gesetzt.

Leider gibt es auch in Bezug auf die Schlussabrechnung noch verschiedene unklare Themen. Dies zieht sich seit Beginn der Corona-Hilfen durch die Verfahren und sorgte bei den betroffenen Unternehmen sowie bei den prüfenden Dritten regelmäßig für unzufriedenstellende Situationen. Es werden zwar in nächster Zeit einzelne Klarstellungen erwartet, man sollte sich aber dennoch rechtzeitig mit der Schlussabrechnung befassen, insbesondere wenn der bisherige Antrag auf prognostizierten Werten beruht.

Sofern Sie Corona-Hilfen in Anspruch genommen haben, unterstützt Sie das Team von LFK PARTNER gerne auch bei der Schlussabrechnung.

Autor: Timo Storz, Dipl.Fw. (FH), Steuerberater, Partner

Quelle: Mitteilung des BMWK vom 05.05.2022

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Nachgezahlte Überstundenvergütungen, die für einen Zeitraum von mehr als zwölf Monaten veranlagungsübergreifend geleistet werden, sind mit einem ermäßigten Steuersatz zu besteuern. Das hat der Bundesfinanzhof (BFH) mit Urteil vom 02.12.2021 – VI R 23/19 entschieden.

Steigt das Einkommen, erhöht sich die Einkommensteuer progressiv. Werden Vergütungen für eine mehrjährige Tätigkeit nicht laufend, sondern in einer Summe ausbezahlt, führt dieser Progressionseffekt zu einer vom Gesetzgeber nicht gewollten Steuermehrbelastung. Um diesen Effekt abzumildern, sieht § 34 Abs. 2 Nr. 4 EStG im Falle eines zusammengeballten Zuflusses von Lohnnachzahlungen die Besteuerung der Nachzahlungen mit einem ermäßigten Steuersatz vor. Voraussetzung ist allerdings, dass die Nachzahlung sich auf die Vergütung für eine Tätigkeit bezieht, die sich über mindestens zwei Veranlagungszeiträume erstreckt und einen Zeitraum von mehr als zwölf Monaten umfasst.

Der Kläger hatte im Streitfall über einen Zeitraum von drei Jahren in erheblichem Umfang Überstunden geleistet. Diese wurden ihm aber erst im vierten Jahr in einer Summe vergütet. Das Finanzamt besteuerte die Überstundenvergütung mit dem normalen Einkommensteuertarif. Der BFH entschied jedoch zugunsten des Klägers.

Der BFH stellt klar: Die ermäßigte Besteuerung findet nicht nur auf die Nachzahlung von Festlohnbestandteilen Anwendung, sondern auch auf Nachzahlungen variabler Lohnbestandteile – hier in Form von Überstundenvergütungen. Entscheidend ist, ob die nachgezahlte Vergütung für einen Zeitraum von mehr als zwölf Monaten veranlagungsübergreifend geleistet worden ist.

 

Autor: Thomas Bußhardt, Rechtsanwalt, Steuerberater, Wirtschaftsprüfer, Fachberater für Unternehmensnachfolge (DStV e.V.), Partner

Quelle: Pressemitteilung BFH vom 24. März 2022 – Nummer 012/22

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