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Gewinnerzielungsabsicht bei kleinen Photovoltaikanlagen

Die Themen Energiewende und Klimaziele bleiben ein Dauerthema in Deutschland. In diesem Zusammenhang wird auch der Ausbau von Photovoltaikanlagen, zur Nutzung der Sonnenenergie, weiter vorangetrieben. Neben den groß angelegten Anlagen gibt es auch eine Vielzahl kleinerer Anlagen, die insbesondere auf Wohngebäuden installiert und betrieben werden. Die grün-schwarze Landesregierung in Baden-Württemberg hat sich bereits auf eine Photovoltaik- bzw. Solarpflicht für Neubauten geeinigt, in anderen Bundesländern gibt es ähnliche Entwicklungen. Auch aufgrund der Weiterentwicklung der Speichermöglichkeiten, steigender Strompreise und der Entwicklung der Elektromobilität, ist die Installation einer Photovoltaikanlage für viele Bürger eine Überlegung wert.

Aus steuerlicher Sicht muss hierbei beachtet werden, dass der Betreiber einer solchen Anlage grundsätzlich Unternehmer wird und Einkünfte aus Gewerbebetrieb erzielt. In früheren Jahren gab es diesbezüglich in der Regel keine größeren Diskussionen mit der Finanzverwaltung, da aufgrund der hohen Einspeisungssätze regelmäßig Gewinne erzielt wurden. Nach Wegfall der Förderungen und Zunahme der Eigennutzung des erzeugten Stroms, ergaben sich diesbezüglich neue Problemstellungen. Da die gewerblichen Verluste aus einer Photovoltaikanlage mit anderen Einkünften verrechnet werden und somit die Steuerbelastung senken können, hat die Finanzverwaltung vermehrt ein Auge auf die sogenannte Gewinnerzielungsabsicht gelegt. Für die Prüfung der Gewinnerzielungsabsicht müssen Prognoserechnungen erstellt und geprüft werden.

Um bei kleineren Photovoltaikanlagen das Verwaltungsverfahren zu erleichtern, hat die Finanzverwaltung mit BMF-Schreiben vom 02.06.2021 entsprechende Regelungen erlassen.
 

Die Vereinfachungsregelungen gelten für folgende Anlagen:

  • Photovoltaikanlage mit einer installierten Leistung bis zu 10 kW.

  • Auf zu eigenen Wohnzwecken genutzten oder unentgeltlich überlassenen Ein- und Zweifamilienhausgrundstücken einschließlich Außenanlagen (z.B. Garagen) installiert.

  • Inbetriebnahme nach dem 31.12.2003.

  • Ein vergleichbares Blockheizkraftwerk ist ein solches mit einer installierten Leistung von bis zu 2,5 kW, die übrigen Voraussetzungen gelten wie oben beschrieben.
     

Erleichterung bei Gewinnerzielungsabsicht:

  • Auf schriftlichen Antrag wird aus Vereinfachungsgründen unterstellt, dass die betroffenen Anlagen nicht mit Gewinnerzielungsabsicht betrieben werden. Es wird von einer steuerlich unbeachtlichen Liebhaberei ausgegangen. Weder Gewinne noch Verluste sind steuerlich relevant. Dies gilt für alle offenen und zukünftigen Veranlagungsjahre.

  • Änderungen, welche zur Folge haben, dass die Voraussetzungen nicht mehr erfolgt sind (z.B. Nutzungsänderung, Erweiterung der Anlage) sind schriftlich anzuzeigen.
     

Folgen bei Nichtanwendung der Vereinfachungsregelung:

  • Soll keine Liebhaberei vorliegen, kann der Steuerpflichtige die Gewinnerzielungsabsicht nachweisen.

  • Es ist eine sogenannte Totalgewinnprognose einzureichen. Diese stellt das Gesamtergebnis des Betriebs von der Gründung bis zur Veräußerung oder Aufgabe dar und muss entsprechend positiv ausfallen damit die Tätigkeit ertragsteuerlich anerkannt wird.
     

Bei den betroffenen Anlagen muss also rechtzeitig entschieden werden, ob man die Vereinfachungsregelung in Anspruch nimmt oder ob man die Gewinnerzielungsabsicht nachweist. In diesem Zuge muss auch die umsatzsteuerliche Handhabung gewürdigt werden, da sich diese nicht automatisch an der ertragsteuerlichen Einordnung orientiert.

 

Links:
BMF-Schreiben vom 02.06.2021