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Schenken und Vererben: Auf was Sie achten sollten!

Die Vermögensnachfolge sollte nach Möglichkeit frühzeitig geplant werden. Aber was sollte bei der Vermögensnachfolge bzw. der vorweggenommenen Erbfolge beachtet werden, um diese optimal zu gestalten? Welche Gestaltungsmöglichkeiten bestehen, um so wenig Steuer wie möglich zahlen zu müssen?
 

Die meisten Menschen wünschen sich, im Alter bestmöglich abgesichert zu sein. Zugleich soll ihr Vermögen möglichst gerecht und nach Möglichkeit nicht streitanfällig im Rahmen ihrer Erbfolge bzw. einer vorweggenommenen Erbfolge auf die Nachfolger übergehen. In vielen Fällen ist daneben die Unternehmensnachfolge zu regeln.
 

Für alle Fälle gilt: Auch wenn dies für die meisten von uns kein „Lieblingsthema“ ist, sollten Sie sich frühzeitig damit beschäftigen. So können in vielen Fällen Vermögenswerte über den Tod hinaus erhalten werden, Streit möglicherweise vermieden und Steuerlasten vermindert werden. Sprechen Sie uns einfach an. Unsere erfahrenen Spezialisten in den Bereichen Vermögens- und Unternehmensnachfolge, Erbrecht und Erbschaftsteuer beantworten gerne Ihre Fragen und unterstützen Sie bei der Gestaltung und Umsetzung Ihrer Nachfolge.


Bei einer vorweggenommenen Erbfolge bzw. Schenkung stehen Ihnen verschiedene Gestaltungsmöglichkeiten zur Verfügung, von denen wir Ihnen hiermit einige vorstellen möchten.

 

Ausnutzung der Steuerfreibeträge bei der Erbschaftsteuer

Das Erbschaftsteuergesetz sieht für Schenkungen und Erbschaften Freibeträge vor. Nur dann, wenn der Wert des Nachlasses oder der Schenkung diese Freibeträge übersteigt, fällt Steuer an. Die Steuerfreibeträge steigen, je enger die verwandtschaftliche Beziehung zum Erblasser bzw. Schenker ist. Wichtig ist: Die Freibeträge werden alle zehn Jahre gewährt. Wer früher mit der Übertragung von Vermögen auf die nächste Generation beginnt, kann die Freibeträge mehrmals ausschöpfen.
 

Ehegatten können sich beispielsweise alle zehn Jahre 500.000 Euro steuerfrei schenken. Ein Kind darf von jedem Elternteil 400.000 Euro im Zehn-Jahres-Turnus erhalten, ohne dass Erbschaftsteuer anfällt. Beschenken beide Elternteile ein Kind, verdoppelt sich der Freibetrag damit auf 800.000 Euro pro Kind alle zehn Jahre. Für ein Enkelkind steht beispielsweise ein zusätzlicher Freibetrag von 200.000 Euro zur Verfügung. Insbesondere bei einem Vermögen, das deutlich oberhalb der steuerlichen Freibeträge liegt oder bei Übertragungen an entfernt verwandte oder nicht verwandte Personen besteht aus steuerlicher Sicht Handlungsbedarf.
 

Übertragung gegen Versorgungsleistungen

Diese Gestaltungsform spielt vor allem bei der Unternehmensnachfolge in mittelständischen Unternehmen eine Rolle. Hierbei wird zumeist ein Betrieb im Wege der vorweggenommenen Erbfolge bzw. Schenkung gegen Versorgungsleistungen auf die Nachfolgegeneration übertragen. Der Nachfolger verpflichtet sich zur Zahlung einer lebenslangen Leibrente an den Übergeber. Die Rente sichert den Schenker finanziell ab, während der Beschenkte diese im Idealfall aus den Erträgen des Unternehmens erwirtschaften kann. Unter gewissen Voraussetzungen sind die Rentenzahlungen für den Beschenkten steuerlich absetzbar, während der Schenker diese wiederum, meistens mit einem geringeren Steuersatz, zu versteuern hat.
 

Schenkung unter Nießbrauchsvorbehalt

Eine Schenkung unter Nießbrauchsvorbehalt stellt eine Gestaltungsalternative zur Übertragung gegen Versorgungsleistungen dar. Der Schenker behält sich in diesen Fällen ein Nutzungsrecht an dem übertragenen Vermögensgegenstand vor. Er bezieht weiterhin die Erträge hieraus, muss auch gewisse Aufwendungen noch tragen und die Erträge auch weiterhin versteuern.
 

In der Praxis wird hiervon häufig bei der lebzeitigen Schenkung von Immobilien Gebrauch gemacht. Da der Schenker infolge der Übertragung jegliche Rechte an der Immobilie verloren hat (Kreditsicherungsrecht, Möglichkeit zu verkaufen), kann er sich als Absicherung ein zumeist lebenslanges Nutzungsrecht (Nießbrauchsrecht) vorbehalten. Das Nießbrauchsrecht sichert dem Schenker sein Recht, in der Immobilie zu wohnen oder diese zu vermieten, und damit auch ein Recht auf die Mieteinnahmen. Auch durch eine Schenkung unter Nießbrauchsvorbehalt können Steuerfreibeträge ausgeschöpft werden.
 

Steuerbefreiung für selbstgenutztes Wohneigentum (Familienheim)

Wohnt der Erbe selbst in der Nachlassimmobilie für mindestens zehn Jahre nach dem Erbanfall, fällt unabhängig vom Wert der Immobilie keine Erbschaftsteuer an. Voraussetzung ist jedoch, dass der Erbe innerhalb von sechs Monaten nach Anfall der Erbschaft in die Immobilie eingezogen ist. Er darf außerdem die Immobilie während dieser Zeit weder verkaufen noch vermieten oder verpachten. Dies gilt uneingeschränkt für erbende Ehe- oder eingetragene Lebenspartner/innen. Andernfalls geht die Steuervergünstigung verloren. Das gilt selbst dann, wenn die Mutter das Familienheim an ihre Tochter verschenkt und sich ein lebenslanges Wohnrecht vorbehält, wie der Bundesfinanzhof mit Urteil vom 11. Juli 2019 entschied. Bei Kindern und – im Fall deren Todes – Kindeskindern ist die Steuerbefreiung auf eine Wohnfläche von 200 Quadratmetern begrenzt, wobei auch hier Voraussetzung ist, dass die Immobilie selbst bewohnt wird. Für alle anderen Erben gibt es keine solche Steuerbefreiung. Begründet wird diese steuerliche Begünstigung mit dem besonderen Schutz des familiären Lebensraums.
 

Ausschlagung des Erbes

Im Einzelfall kann es von Vorteil sein, das Erbe auszuschlagen. Dies gilt nicht nur, wenn der Nachlass überschuldet ist, sondern kann auch aus steuerlichen Gründen vorteilhaft sein. Ist das Erbe so hoch, dass die persönlichen Freibeträge deutlich überschritten werden, kann durch eine Ausschlagung eine optimierte Ausnutzung der Steuerfreibeträge erreicht werden. Schlägt beispielsweise ein als Alleinerbe eingesetzter Ehegatte die Erbschaft zu Gunsten der gemeinsamen Kinder aus, verteilt sich das Erbe auf mehrere Personen. Alle begünstigten Familienmitglieder können ihre Freibeträge nutzen und eine unnötige Belastung mit Erbschaftsteuer vermeiden. Der überlebende Ehegatte, der das Erbe ausgeschlagen hat, muss dennoch nicht leer ausgehen. Er kann sich von den Kindern eine entsprechende Abfindung zusagen lassen.
 

Auf Pflichtteilsansprüche achten

Eine Schenkung zu Lebzeiten vermindert in aller Regel das Vermögen im Todesfall. Insbesondere der Ehegatte und die Abkömmlinge sind pflichtteilsberechtigt. Werden sie enterbt oder wird ihr Pflichtteilsanspruch durch lebzeitige Schenkungen gemindert, haben diese Personen einen sogenannten Pflichtteilsergänzungsanspruch. Aus diesem Grund werden Schenkungen, die in den letzten zehn Jahren vor dem Tod des Schenkers gemacht wurden, dem Nachlass hinzugerechnet und erhöhen so den Pflichtteilsanspruch. Im Jahr des Todesfalls werden 100 Prozent der Schenkung dem Nachlass zugerechnet. Pro Jahr, das die Schenkung zurückliegt, werden zehn Prozent weniger angerechnet, sodass die Schenkung nach zehn Jahren für den Pflichtteil ohne Bedeutung ist.
 

Bei solchen und vielen anderen Überlegungen stehen Ihnen unsere Spezialisten gerne zur Seite. Sprechen Sie uns einfach an.