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Steuerliche Maßnahmen zur Berücksichtigung von Auswirkungen des Coronavirus

Das Bundesministerium der Finanzen und die obersten Finanzbehörden der Länder haben verschiedene steuerliche Erleichterungen beschlossen, um die von der Corona-Krise unmittelbar und nicht unerheblich negativ wirtschaftlich betroffenen Steuerpflichtigen zu entlasten. Ziel ist es, die Liquidität bei Unternehmen zu verbessern, die durch die Corona-Krise in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten sind. Im Folgenden sind einige der wichtigsten Maßnahmen dargestellt:

 

I. 

Einkommensteuer, Körperschaftsteuer und Solidaritätszuschlag
 

  • Auf Antrag werden Zahlungen zu Einkommen-, Körperschaftsteuer und Solidaritätszuschlag befristet und grundsätzlich zinsfrei gestundet, dabei gelten keine strengen Anforderungen. Entstandene Schäden müssen nicht im Einzelnen beziffert werden. Lohn- und Kapitalertragsteuer können hingegen nicht gestundet werden.
     
  • Auf Antrag können Vorauszahlungen für das gesamte Jahr 2020 und 2021 herabgesetzt werden. Entstandene Schäden müssen nicht im Einzelnen beziffert werden. Überzahlte Beträge werden dann erstattet. Auf eine Verrechnung mit anderen rückständigen Steuern wird verzichtet.
     
  • Auf Antrag können Vorauszahlungen für das Jahr 2019 nach § 110 des Einkommensteuergesetzes (EStG) pauschal herabgesetzt werden. Dabei wird der für die Bemessung der Vorauszahlungen für das Jahr 2019 zugrunde gelegte Gesamtbetrag der Einkünfte pauschal um 30 Prozent gemindert. Einkünfte aus nichtselbstständiger Arbeit werden nach § 19 EStG dabei nicht berücksichtigt. Voraussetzung für die pauschale Herabsetzung ist, dass die Vorauszahlungen für das Jahr 2020 auf 0 Euro herabgesetzt wurden. Es bleibt im Einzelfall möglich, anhand detaillierter Unterlagen einen höheren Verlust darzulegen.
     
  • Führt die pauschale Herabsetzung der Vorauszahlungen für das Jahr 2019 zu einer Nachzahlung bei der Steuerfestsetzung für das Jahr 2019, so wird diese auf Antrag bis zum Ablauf eines Monats nach Bekanntgabe der Steuerfestsetzung für das Jahr 2020 zinslos gestundet.
     
  • Nachträgliche Vorauszahlungen für das Jahr 2019 sollen nicht festgesetzt werden.
     
  • Auf Antrag wird nach § 111 EStG bei der Steuerfestsetzung für 2019 pauschal ein Betrag in Höhe von 30 Prozent des Gesamtbetrags der Einkünfte des Jahres 2019 als Verlustrücktrag aus 2020 abgezogen (vorläufiger Verlustrücktrag). Bei der Berechnung des vorläufigen Verlustrücktrags sind Einkünfte aus nichtselbstständiger Arbeit nach § 19 EStG nicht zu berücksichtigen, die im Gesamtbetrag der Einkünfte enthalten sind. Voraussetzung für die Berücksichtigung eines vorläufigen Verlustrücktrags ist, dass die Vorauszahlungen für das Jahr 2020 auf 0 Euro herabgesetzt wurden. Im Einzelfall ist es möglich, anhand detaillierter Unterlagen einen höheren voraussichtlichen Verlustrücktrag aus 2020 - das heißt im Jahr 2020 voraussichtlich entstehende Verluste - darzulegen.
     
  • Soweit ein vorläufiger Verlustrücktrag bei der Steuerfestsetzung für 2019 in Anspruch genommen wird, muss eine Steuererklärung für das Jahr 2020 abgegeben werden.
     
  • Auf Antrag wird auf die Vollstreckung rückständiger Steuern verzichtet.
     
  • Säumniszuschläge können nur unter bestimmten Voraussetzungen im Rahmen des Vollstreckungsaufschubs erlassen werden.

     

Zeitlicher Rahmen:

 

  • Anträge auf zinsfreie Stundung können ab sofort bis zum 31. März 2021 beim zuständigen Finanzamt gestellt werden, soweit die Steuern festgesetzt sind und noch nicht bezahlt wurden. 
     
  • Stundungen nach diesem vereinfachten Verfahren können längstens bis zum 30. Juni 2021 gewährt werden. Eine Verlängerung der Stundung bis zum 31. Dezember 2021 ist nur in Verbindung mit einer angemessenen, längstens bis zum 31. Dezember 2021 dauernden Ratenzahlung möglich.
     
  • Anträge auf Herabsetzung der Vorauszahlungen 2020 und 2021 können ab sofort bis zum 31. Dezember 2021 beim zuständigen Finanzamt gestellt werden, soweit Vorauszahlungen festgesetzt wurden.
     
  • Eine nachträgliche Herabsetzung von Vorauszahlungen für das Jahr 2019 ist zumindest bis 31. März 2021 möglich.
     
  • Anträge nach § 111 EStG auf einen vorläufigen Verlustrücktrag für 2019 sind ab sofort möglich.
     
  • Anträge auf Vollstreckungsaufschub können ab sofort bis zum 31. März 2021 beim zuständigen Finanzamt gestellt werden.
     
  • Erlassen werden können Säumniszuschläge, die vom 11. März 2020 bis 30. Juni 2021 entstanden sind.



II.

Umsatzsteuer

 

  • Auf Antrag werden die Zahlungen befristet und grundsätzlich zinsfrei gestundet, dabei gelten keine strengen Anforderungen. Entstandene Schäden müssen nicht im Einzelnen beziffert werden.
     
  • Anträge können ab sofort bis zum 31. März 2021 beim zuständigen Finanzamt gestellt werden, soweit die Umsatzsteuer festgesetzt ist und noch nicht bezahlt wurde. Stundungen nach diesem vereinfachten Verfahren können längstens bis zum 30. Juni 2021 gewährt werden. Eine Verlängerung der Stundung bis zum 31. Dezember 2021 kommt nur in Verbindung mit einer angemessenen, längstens bis zum 31. Dezember 2021 dauernden Ratenzahlung in Betracht.
     
  • Auf Antrag wird auf die Vollstreckung rückständiger Umsatzsteuer verzichtet. Anträge ab sofort bis zum 31. März 2021 beim zuständigen Finanzamt gestellt werden.
     
  • Säumniszuschläge können nur unter bestimmten Voraussetzungen im Rahmen des Vollstreckungsaufschubs erlassen werden.
     
  • Erlassen werden können Säumniszuschläge, die vom 19. März 2020 bis 30. Juni 2021 anfallen.


 

III.

Gewerbesteuer

 

  • Anträge auf Stundung der Gewerbesteuer sind bei der zuständigen Gemeinde zu stellen.
     
  • Auf Antrag kann der Messbetrag für Zwecke der Gewerbesteuer-Vorauszahlungen für das gesamte Jahr 2020 und 2021 herabgesetzt werden. Entstandene Schäden müssen nicht im Einzelnen beziffert werden. Überzahlte Beträge werden dann von der Gemeinde erstattet.
     
  • Anträge können ab sofort bis zum 31. Dezember 2021 beim zuständigen Finanzamt gestellt werden, soweit ein Messbetrag für Zwecke der Gewerbesteuer-Vorauszahlungen festgesetzt wurde.

     

Weiterführende Informationen

•    BMF: Steuerliche Maßnahmen zur Förderung der Hilfe für von der Corona-Krise Betroffene

•    BMF: Steuerliche Hilfen für Unternehmen und Beschäftigte


Gerne beraten wir Sie zu den genannten Themen und Unterstützung bei der Stellung von Anträgen.