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Veräußerungsgewinne bei gemischt genutzten Wirtschaftsgütern

Wirtschaftsgüter können sowohl privaten als auch betrieblichen Zwecken und damit unterschiedlichen Nutzungszwecken dienen. Abgesehen von Grundstücken, bei denen nach EStR 4.2 Abs. 4,7 und 9 eine Aufteilung nach Maßgabe der Nutzung vorgenommen wird, gilt der Grundsatz der einheitlichen Behandlung. Ein Wirtschaftsgut ist daher entweder als Betriebsvermögen oder als Privatvermögen zu behandeln.

 

Sofern das Wirtschaftsgut zu mehr als 50 % betrieblich genutzt wird, ist es im vollen Umfang dem notwendigen Betriebsvermögen zuzurechnen. Sofern die private Nutzung überwiegt und die betriebliche Nutzung nicht unbedeutend ist, kann das Wirtschaftsgut als gewillkürtes Betriebsvermögen behandelt werden. Eine unbedeutende betriebliche Nutzung wird angenommen, wenn der Anteil der betrieblichen Nutzung unter 10 % liegt (vgl. EStR 4.2 Abs. 1). Eigenbetrieblich genutzte Grundstücksteile brauchen dann nicht als Betriebsvermögen behandelt zu werden, wenn ihr Wert nicht mehr als 20 % des gemeinen Werts des gesamten Grundstücks und nicht mehr als 20 500 EUR beträgt (§ 8 EStDV).

 

Bei Wirtschaftsgütern, die nach den vorstehenden Grundsätzen dem Betriebsvermögen zugeordnet werden, sind mit dem Wirtschaftsgut verbundene Aufwendungen, soweit sie auf die betriebliche Nutzung entfallen, als Betriebsausgaben, soweit sie auf die private Nutzung entfallen, als nicht abzugsfähige Kosten der privaten Lebensführung zu behandeln (vgl. EStR 12.1). Umgekehrt können Aufwendungen für die betriebliche Nutzung dem Privatvermögen zugeordneter Wirtschaftsgüter als Betriebsausgaben in Abzug gebracht werden.

 

In der Praxis ist zu beachten, dass die Zuordnung von gemischt genutzten PKW und Arbeitszimmern zum Betriebsvermögen

  • steuerlich vorteilhaft sein kann auf Grund des Betriebsausgabenabzugs

  • mit steuerlichen Nachteilen aus künftigen Entnahme- bzw. Veräußerungsgewinnen verbunden sein kann
     

Dies zeigen zwei aktuelle Entscheidungen des Bundesfinanzhofs (BFH):

Fall 1 (Gemischt genutzter PKW)

Der Kläger hatte 2008 einen PKW angeschafft und seinem Betriebsvermögen zugeordnet. Diesen PKW nutzte er lediglich zu 25% für seine freiberufliche Tätigkeit, zu 75% für private Zwecke. Bei der Einkommensteuerveranlagung wurde die Abschreibung (AfA) für den PKW als Betriebsausgabe erfasst. Gegenläufig wurden aufgrund der privaten Nutzung Betriebseinnahmen i.H.v. 75% der für das Fahrzeug entstandenen Aufwendungen einschließlich der AfA angesetzt. Wirtschaftlich wurde die Steuerminderung aufgrund der AfA so zu 75% „neutralisiert“. Bei Veräußerung des Fahrzeugs nach vollständiger Abschreibung der Anschaffungskosten im Jahr 2013 setzte der Kläger lediglich 25% des Verkaufserlöses als Betriebseinnahme an.
 

Fall 2 (Häusliches Arbeitszimmer)

Der Kläger war freiberuflich tätig und nutzte hierzu ein häusliches Arbeitszimmer. Das Arbeitszimmer bildete nicht den Mittelpunkt seiner gesamten betrieblichen und beruflichen Tätigkeit; der Betriebsausgabenabzug war daher jährlich auf DM 2.400 der Aufwendungen für das Arbeitszimmer einschließlich der AfA begrenzt (§ 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b Satz 3 Hs. 1 EStG). Die kumulierte AfA für das seit 1997 genutzte Arbeitszimmer belief sich zum 31.12.2001 auf DM 65.722. Der Kläger hatte bei der Ermittlung des Entnahmegewinns den Buchwert für das häusliche Arbeitszimmer um die (nicht abziehbare) AfA erhöht.
 

Entscheidung des BFH:

Der BFH folgte in beiden Fällen der Auffassung der Finanzverwaltung. Der Veräußerungserlös für den PKW bzw. das Arbeitszimmer war in voller Höhe als Betriebseinnahme zu berücksichtigen. Es erfolgte keine anteilige Kürzung oder gewinnmindernde Korrektur in Höhe der – aufgrund des privaten Nutzungsanteils – nicht steuerwirksamen AfA.
 

Hinweis für die Praxis:

Die Entscheidung über die Zuordnung gemischt genutzter PKW und Arbeitszimmer zum Betriebsvermögen sollte steuerliche Nachteile aus künftigen Entnahme- bzw. Veräußerungsgewinnen berücksichtigen.
 

Gerne beraten Sie die LFK Experten zu dieser Thematik.