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Verlängerte Investitionsfristen beim Investitionsabzugsbetrag und bei § 6b EStG

• Grundsätze des Investitionsabzugsbetrags (IAB)

§ 7g (1) EStG gewährt kleinen und mittleren Betrieben bis zu einer bestimmten Gewinnhöhe einen außerbilanziellen Investitionsabzugsbetrag (IAB) von bis zu 50% des geplanten Investitionsvolumens. Der Abzug kann für die künftige Anschaffung oder Herstellung von abnutzbaren beweglichen Wirtschaftsgütern des Anlagevermögens geltend gemacht werden, die fast ausschließlich betrieblich genutzt werden. Eine tatsächliche Investition bzw. Investitionsabsicht ist nicht erforderlich; Investitionsabzugsbeträge sind jedoch rückwirkend rückgängig zu machen, wenn die Investition auch nach drei Jahren unterblieben ist. Unter den gleichen Voraussetzungen sieht § 7g (5) EStG eine Sonderabschreibung von 20% der Anschaffungskosten bzw. Herstellungskosten vor. Die Bestimmung gilt bei allen Gewinneinkünften unabhängig von der Gewinnermittlungsart; allerdings nicht für Land- und Forstwirtschaftliche Betriebe im Falle der Gewinnermittlung nach Durchschnittssätzen.
 

§ 7g EStG dient der Verbesserung der Liquidität kleiner und mittlerer Betriebe durch zeitliches Vorziehen eines großen Teils der späteren Abschreibung (Erhöhung der Liquidität durch Steuerstundung).

 

•    Verlängerte Investitionsfristen

Ist es bis zum Ende des dritten auf das Wirtschaftsjahr des Abzugs folgenden Wirtschaftsjahrs nicht zur Investition gekommen, ist der Abzug zwingend in vollem Umfang gewinnerhöhend rückgängig zu machen. Durch das 2. Corona-Steuerhilfegesetz wurde die Reinvestitionsfrist nach § 7g (3) EStG um ein Jahr verlängert. Mit dem Gesetz zur Modernisierung des Körperschaftsteuerrechts wurde erneut eine Verlängerung der Frist beschlossen. Es gelten damit folgende Reinvestitionsfristen:
 

 

•    Praxishinweis

Es empfiehlt sich, jeweils die „ältesten“ Investitionsabzugsbeträge zu übertragen, um eine Verzinsung zu vermeiden, falls nicht sämtliche Investitionsabzugsbeträge übertragen werden können.
 

•    Verlängerung der Reinvestitionsfrist nach § 6b EStG

Gemäß § 6b EStG können stille Reserven, die bei der (entgeltlichen) Veräußerung bestimmter Anlagegüter aufgedeckt werden, bei der Anschaffung oder Herstellung anderer bestimmter Anlagegüter steuerfrei übertragen werden. Die Übertragung kann auf zweierlei Art erfolgen: (1) Abzug des Veräußerungsgewinns bei Anschaffung oder Herstellung anderer Wirtschaftsgüter im Wirtschaftsjahr der Veräußerung von den Anschaffungskosten bzw. Herstellungskosten (Abs. 1) oder (2) Bildung einer gewinnmindernden Rücklage und Übertragung auf die Wirtschaftsgüter, die in den folgenden vier bzw. sechs Jahren angeschafft werden (Abs. 3). Beide Möglichkeiten sind an weitere Voraussetzungen geknüpft.
 

Die Reinvestitionsfrist wurde im Rahmen des KöMoG angepasst. Sie beträgt nunmehr sechs bzw. fünf statt der üblichen vier Jahre, wenn die Rücklage im Zeitraum 31.3.2020 bis 31.12.2020 regulär (mit der Vier-Jahres-Frist) aufgelöst werden müsste. Damit können Rücklagen aus 2016 und 2017 auch für Investitionen in 2022 fortgeführt werden.