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Elektrofahrräder als Diensträder: Darauf kommt es steuerlich an

Mit der zunehmenden Verbreitung von Elektrofahrrädern stellt sich die Frage nach der Nutzung für betriebliche Zwecke. Ebenso überlegen Unternehmen vermehrt, ob sie betriebliche Elektrofahrräder den Arbeitnehmern im Rahmen des Dienstverhältnisses überlassen. Dies kann als ein attraktives Instrument der Lohngestaltung genutzt werden. Allerdings kommt es darauf an, schon im Vorfeld der Anschaffung den richtigen Gang für die steuerliche Bewertung einzulegen. Einige Anbieter von Elektrofahrrädern sprechen dieses Thema bewusst oder unbewusst nicht an. Deshalb klärt LFK auf. Entscheidend ist u.a. die Art des Fahrrads. Überraschend ist zum Beispiel, dass es sich um ein Fahrzeug mit Kennzeichenpflicht handeln kann oder nicht. Ebenso kommt es darauf an, auf welche Weise die Leistung des Arbeitgebers erbracht wird. Vorsicht ist geboten, wenn eine Übernahme für den Arbeitnehmer im Falle eines Leasingvertrages geplant ist.

Hier die wichtigsten Begriffe und Abgrenzungen im Überblick:
 

1. Elektrofahrrad ist verkehrsrechtlich als KFZ einzuordnen:

  • Der Motor unterstützt Geschwindigkeiten auch über 25 km/h.
  • Dann besteht Kennzeichen- und Versicherungspflicht.

Folge: Lohnsteuerrechtliche Bewertungsvorschriften sind analog zur Überlassung von Dienstwagen anzuwenden (1% Regelung mit Bruttolistenpreis oder Fahrtenbuchmethode). Ansonsten keine besonderen Regelungen oder günstigen Bewertungen. 

 

2. Elektrofahrräder, die nicht als KFZ einzuordnen sind sowie klassische Fahrräder ohne elektrische Unterstützung

  • Der Elektromotor unterstützt Geschwindigkeiten nur bis 25 km/h.
  • Dann besteht keine Kennzeichen- und Versicherungspflicht.
  • Ebenso fallen Mountainbikes, Rennräder etc. unter diesen Punkt.

In diesem Fall ist zwischen zwei Modellen zu unterscheiden: zusätzliche Leistung oder Gehaltsumwandlung.

 

2.1 Leistung zusätzlich zum ohnehin geschuldeten Arbeitslohn:

  • Zusätzlich zum Arbeitslohn gewährter geldwerter Vorteil.
  • Regelung der Dienstrad-Gewährung im Arbeitsvertrag vor Abschluss des Leasingvertrages.
  • Der geldwerte Vorteil bemisst sich gemäß Durchschnittsbewertung anhand 1% der auf volle 100 € abgerundeten unverbindlichen Preisempfehlung des Herstellers des Fahrrads (nicht zu verwechseln mit der 1% Regelung).
  • Voraussetzung hierfür ist jedoch, dass der Arbeitgeber wirtschaftlicher Leasingnehmer des Fahrrads ist. Indiz: Teile der Kosten, z.B. Versicherung, werden allein vom Arbeitgeber getragen. Ansonsten würde es sich nicht um eine Sachleistung gem. § 8 Abs. 2 EStG handeln.
  • Räumt der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer eine spätere günstige Kaufoption ein (Restkaufwert niedriger als der tatsächliche Wert), so gilt dies als Preisvorteil. Dieses Modell unterliegt ebenso der Lohnzuflussbesteuerung gem. § 8 Abs. 2 Satz 1 EStG. 

 

2.2 Leistung im Wege der Gehaltsumwandlung (Nettolohnoptimierung):

  • Wenn die Barlohnumwandlung in Höhe der Leasingrate des Fahrrads erfolgt, dann ist anstelle des bisherigen Barlohns lediglich noch der geldwerte Vorteil aus der Fahrradgewährung steuerpflichtig.
  • Die steuerlich wirksame Barlohnumwandlung gilt, wenn der Arbeitsvertrag vor Abschluss des Leasingvertrages geändert wird. Der Überlassungsvertrag muss an das Arbeitsverhältnis gekoppelt sein.
  • Der geldwerte Vorteil bemisst sich auch in diesem Fall gemäß der Durchschnittsbewertung anhand 1% der auf volle 100 € abgerundeten unverbindlichen Preisempfehlung des Herstellers des Fahrrads (nicht zu verwechseln mit der 1% Regelung).
  • Voraussetzung hierfür ist jedoch, dass der Arbeitgeber wirtschaftlicher Leasingnehmer des Fahrrads ist. Indiz: Teile der Kosten, z.B. Versicherung, werden allein vom Arbeitgeber getragen. Ansonsten würde es sich nicht um eine Sachleistung gem. § 8 Abs. 2 EStG handeln.
  • Der Vorteil für den Arbeitgeber: Er reduziert Sozialabgaben. Die Einsparung des Sozialversicherungsanteils des Arbeitgebers ergibt sich aus der Differenz der Leasingrate und des Werts des geldwerten Vorteils.
  • Räumt der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer eine spätere günstige Kaufoption ein (Restkaufwert niedriger als der tatsächliche Wert), so gilt dies als Preisvorteil. Dieses Modell unterliegt ebenso der Lohnzuflussbesteuerung gem. § 8 Abs. 2 Satz 1 EStG.

 

3. Handlungsempfehlungen

  • Übernahme zumindest einzelner Kostenbestandteile (z.B. Versicherung ca. 4-5 € monatl.) durch den Arbeitgeber. So lässt sich die wirtschaftliche Zurechnung gewährleisten. Nachteil: keine vollständige Kostenneutralität für den Arbeitgeber.
  • Keine Kaufoption im Leasingvertrag oder Überlassungsvertrag festlegen. Sonst besteht die Gefahr der Umwidmung mit dem Arbeitnehmer als wirtschaftlichem Eigentümer; entsprechend ist dann die Barlohnleistung in vollem Umfang zu berücksichtigen.
  • Bei einem späteren Weiterverkauf des Fahrrads an den Arbeitnehmer ist zu beachten, dass das Entgelt fremdüblich ist. Die Finanzverwaltung setzt 40% der UVP nach 3 Jahren an.
  • Zwingend ist die Anpassung des Arbeitsvertrags vor Abschluss des Leasingvertrags zwischen Arbeitgeber und Leasinggeber.
  • Gewährung von pauschal versteuertem Fahrgeld ist ebenfalls neben der Gewährung eines Dienstrades möglich.
  • Die 44-Euro Freigrenze ist auf den geldwerten Vorteil nicht anwendbar, da es sich um eine Sonderregelung handelt. 

Für Fragen zu diesem Thema steht Ihnen gerne Frau Carina Baumann zur Verfügung, unter Telefon 07720 955-147 oder carina.baumann@lfkvs.de.