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FIRMENWAGENBESTEUERUNG: ZUZAHLUNGEN DES ARBEITNEHMERS MINDERN DEN GELDWERTEN VORTEIL

Grundsätze

Nutzungsentgelte und andere Zuzahlungen des Arbeitnehmers an den Arbeitgeber für die außerdienstliche Nutzung eines betrieblichen Kfz mindern den geldwerten Vorteil aus der Nutzungsüberlassung. 

Dies hat der Bundesfinanzhof (BFH) mit zwei Urteilen vom 30. November 2016 (VI R 2/15 und VI R 49/14) zur Kfz-Nutzung für private Fahrten und für Fahrten zwischen Wohnung und regelmäßiger Arbeitsstätte entschieden. Der BFH hat dabei seine Rechtsprechung zugunsten der Steuerpflichtigen insoweit modifiziert, als nunmehr nicht nur ein pauschales Nutzungsentgelt, sondern auch einzelne (individuelle) Kosten des Arbeitnehmers bei Anwendung der sog. 1 % - Regelung steuerlich zu b berücksichtigen sind.

Die Finanzverwaltung hat lange gezögert bis sich mit BMF – Schreiben vom 21. September 2017 entschieden hat, diese Rechtsprechung über den entschiedenen Einzelfall hinaus anzuwenden. Für Arbeitgeber schafft dies insoweit Rechtssicherheit. Die Regelungen des BMF – Schreiben sind hierbei anzuwenden.

 

Beispiele zur pauschalen Nutzungswertmethode

Der Arbeitgeber hat seinem Arbeitnehmer ein betriebliches Fahrzeug auch zur Privatnutzung überlassen und den geldwerten Vorteil aus der Kraftfahrzeuggestellung nach der 1 % - Regelung bewertet. 

Beispiel 1

In der Nutzungsüberlassungsvereinbarung ist geregelt, dass der Arbeitnehmer die gesamten Treibstoffkosten (5.600 EUR) zu tragen hat. Die übrigen PKW – Kosten übernimmt der Arbeitgeber. Der geldwerte Vorteil nach der 1 % - Regelung beträgt 6.300 EUR. Der zu versteuernde Vorteil aus der Privatnutzung beträgt 700 EUR. 

Beispiel 2

In der Nutzungsüberlassungsvereinbarung ist geregelt, dass der Arbeitnehmer ein Nutzungsentgelt von 0,20 EUR je privat gefahrenen Kilometer (Kilometerpauschale) zu zahlen hat. Im Falle des BFH machte das pauschale Nutzungsentgelt 6.000 EUR aus. Der geldwerte Vorteil nach der 1 % - Regelung beträgt 6.300 EUR. Der zu versteuernde Vorteil aus der Privatnutzung beträgt somit 300 EUR.

Auch im Rahmen der Nutzungsvereinbarung vom Arbeitnehmer beispielsweise übernommene Leasingraten mindern den Nutzungswert.  

  

Beispiele zur individuellen Nutzungswertmethode

Beispiel 3

Der Arbeitgeber hat seinem Arbeitnehmer ein betriebliches Fahrzeug auch zur Privatnutzung überlassen und den geldwerten Vorteil aus der Kraftfahrzeuggestellung nach der Fahrtenbuchmethode bewertet.

In der Nutzungsüberlassungsvereinbarung ist geregelt, dass der Arbeitnehmer ein Nutzungsentgelt in Höhe einer Monatspauschale zu tragen hat. Dieses Nutzungsentgelt mindert den Nutzungswert. 

Beispiel 4

In der Nutzungsüberlassungsvereinbarung ist geregelt, dass der Arbeitnehmer die gesamten Treibstoffkosten zu tragen hat. Diese betragen 3.000 EUR. Die übrigen vom Arbeitgeber getragenen Kraftfahrzeugkosten betragen 7.000 EUR. Auf die Privatnutzung entfällt ein Anteil von 10 %. 

Bei der Ermittlung des individuellen Nutzungswerts Fließen die vom Arbeitnehmer getragenen Treibstoffkosten nicht in die Gesamtkosten des Fahrzeugs ein. Es handelt sich auch nicht um ein Nutzungsentgelt. Anhand der niedrigeren Gesamtkosten ist der individuelle Nutzungswert zu ermitteln (10 % von 7.000 EUR = 700 EUR). Ein Werbungskostenabzug in Höhe von 2.700 EUR (90 % von 3.000 EUR) ist nicht zulässig.

Nutzungsentgelt übersteigt den Nutzungswert

Übersteigt das Nutzungsentgelt den Nutzungswert, führt der übersteigende Betrag weder zu negativem Arbeitslohn noch zu Werbungskosten.

  

Zuzahlungen des Arbeitnehmers zu den Anschaffungskosten

Zuzahlungen des Arbeitnehmers zu den Anschaffungskosten eines ihm auch zur privaten Nutzung überlassenen betrieblichen Kraftfahrzeugs können nicht nur im Jahr der Zahlung, sondern auch in den darauf folgenden Kalenderjahren auf den privaten Nutzungswert für das jeweilige Fahrzeug bis auf 0 EUR angerechnet werden.

 

Praxishinweise 

Der Arbeitgeber ist im Lohnsteuerabzugsverfahren zur Anrechnung der individuellen Kraftfahrzeugkosten des Arbeitnehmers bei der Nutzungswertermittlung verpflichtet, wenn sich aus den arbeitsvertraglichen oder sonstigen Rechtsgrundlagen nichts anderes ergibt.

Der Arbeitnehmer hat dem Arbeitgeber jährlich fahrzeugbezogen schriftlich die Höhe der individuellen Kraftfahrzeugkosten und die Gesamtfahrleistung des Fahrzeugs zu erklären und im Einzelnen umfassende darzulegen und belastbar nachzuweisen. Der Arbeitgeber hat auf dieser Grundlage den Lohnsteuerabzug durchzuführen, sofern der Arbeitnehmer nicht erkennbar unrichtige Angaben macht. Ermittlungspflichten des Arbeitgebers ergeben sich daraus nicht. Die Erklärungen und Belege des Arbeitnehmers hat der Arbeitgeber im Original zum Lohnkonto zu nehmen. 

Nach dem BMF – Schreiben ist es (Rdnr. 19) aus Vereinfachungsgründen nicht zu beanstanden, wenn für den Lohnsteuerabzug zunächst vorläufig fahrzeugbezogen die Erklärung des Vorjahres zugrunde gelegt wird.

Für Fragen stehen Ihnen unsere Lohnsteuerspezialisten gerne zur Verfügung.